Freie Architektin und Bausachverständige Anne-Kathrin Gross
Sachverständige für Bautenschutz / Bausanierung ▪ Schäden an Gebäuden ▪ Holzschutz 
Fachplaner für Bauwerksinstandsetzung nach WTA ▪ Baumediatorin
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Anstriche auf Holz - Beschichtungsschäden

Wirkungsweise von Beschichtungen

Feuchteschutz - Reduzierung des „Arbeitens“ von Holz. Durch Feuchteaufnahme und -abgabe kommt es je nach Holzart zu Volumenänderungen durch Quellen und Schwinden. Es können Risse im Holz entstehen und Holzverbindungen reißen.

UV - Schutz zur Vermeidung des Lignin-Abbaus (festigkeitsbildendes Polymer in den Holzzellen) im Zusammenhang mit Feuchte durch Auswaschungen.

Schutz vor biologischen Einwirkungen - Reduzierung der Belastung des Holzes durch Pilze und Algen.

Schadensbilder

Feuchtewirkung

„Arbeiten“ des Holzes: Feuchteaufnahme und -abgabe bewirkt Volumenänderungen durch Schwinden und Quellen je nach Holzart, Holzrisse entstehen, Holzverbindungen reißen. Nässeenthaftungen der Beschichtungen können entstehen.

UV - Einwirkung

Abbau des Lignins (festigkeitsbildendes Polymer in den Holzzellen) im Zusammenhang mit Feuchte durch Auswaschungen. Das Holz „vergraut“.

Thermische Schäden

Dunkelgetönte Beschichtungen können Oberflächentemperaturen bis ca. 80°C erreichen. Dies kann zu Rissbildung infolge erhöhter Austrocknung führen. Flüchtige Harzanteile im Holz treiben den erweichten Lackfilm zur Blase auf, nach deren Eröffnung Harz austreten kann. Verwendung dunkler Farbtöne ist bei harzreichen Hölzern nicht zu empfehlen.

Biologischer Befall

Im Zusammenhang mit Feuchte können Holzschäden durch holzverfärbende Bläue oder holzzerstörende Mikroorganismen, Schimmelpilze oder Algen entstehen.

Mechanische Schäden

Beschädigungen des schützenden Anstrichs können als Abrieb oder Schlag durch die Nutzung oder Wetterbeanspruchung in Form von Hagelschlag entstehen.

Konstruktion

Die Holzauswahl, Konstruktion, Verklebung, Verglasung und Abdichtung beeinflussen wesentlich die Haltbarkeit der Konstruktion. Nach DIN 18516-1 ist ein Spritzwasserbereich von min. 30 cm (15 cm bei Gitterrosten) als Unterkante von Außenwandbekleidungen definiert.

Ausführungsfehler

Abplatzen/Abblättern
  • ungeeignetes Beschichtungssystem (mager auf fett)
  • Veränderung des Untergrundes
Beifallungen/Randmarkierungen
  • Untergrund reversibel bzw. nicht ausgehärtet
  • Vormaterialien zu früh überarbeitet
  • zu hohe Schichtstärken, zu kurze Trockenzeiten
  • zu grobes Schleifpapier
Bläulicher Schimmer an der Oberfläche und Schleierbildung
  • Beeinflussung durch störende Stoffe aus dem Untergrund
  • zu hohe Luftfeuchtigkeit bei der Trocknung/ Härtung
  • ungenügende Belüftung bei der Trocknung/ Härtung
  • Niederschlag von Kondensaten
Fehlende Deckkraft
  • kein korrekter, einheitlicher Untergrund
  • nicht ausreichend aufgerührt
  • zu geringe Schichtdicke
  • zu niedrige Viskosität
Farbtrübung
  • Farbverschmutzung
  • unverträgliche Lack- oder Verdünnungszugabe
Fleckenbildung (gelb bis braun)
  • Peroxid-Reste im Holz (vom Bleichen)
Haftungsstörungen
  • Untergrund nicht ausreichend vorbehandelt
  • Kondenswasserbildung durch Temperaturschwankungen / Taupunktunterschreitung
  • falsches Lacksystem
  • zu kurze Trockenzeiten / Ablüftzeiten
  • ungenügendes Anlösen des Untergrundes durch Überschreiten der Überarbeitbarkeitszeit (speziell bei 2K-EP- und PU-Systemen)
Runzelbildung
  • zu dicke Schichten bei zu schneller Oberflächentrocknung
  • Quellung von Beschichtungen durch Wasser oder Lösemittel
  • hochziehen (zu frühes oder spätes Überlackieren speziell bei Alkydharzsystemen)
Kräuselbildung
  • nicht durchgehärtete Vorlackierung, z. B. frische Kunstharzlackfarben
  • nicht geeigneter Untergrund, z. B. nicht lösemittelbeständige Kunststoffe
  • zu dicke Schichten

Fensterwartung

Je nach Klimazone (gemäßigt, streng oder extrem) und baulichen Gegebenheiten variieren die Wartungsintervalle. Die Haltbarkeit der Beschichtung lässt sich deshalb nicht aus der gesetzlich festgelegten Gewährleistungshaftung ableiten.

Wartungsverträge

Werden kleinere Problemstellen rechtzeitig erkannt und beseitigt, entstehen daraus keine größeren Schäden. Aufwändige und teure Sanierungen können so vermieden werden. Zu empfehlen sind Wartungsverträge und die Führung eines Checkheftes. Fensterhersteller bieten „Longlife“-Verträge mit Inspektionsintervallen an.

Anti-Aging

Spezielle Reinigungs- und Pflegeprodukte auf Acrylbasis verschließen die Poren und schützen die Beschichtung vor schneller Alterung.

Keine Untergrundvorbehandlung - Farbe blättert ab
Feuchte am Dachkasten: Holz quillt und schwindet
Untergrund nicht geschliffen vor Anstricherneuerung
Risse im Holz nicht ausgefüllt: Farbe reißt
Trocknungszeit der Farbschicht nicht beachtet
Farbe nicht deckend aufgetragen
V-Fugen ohne Fugensiegel

Konstruktionsgrundlagen

DIN 68121: definierte Ablaufschräge und Kantenrundung zur Verhinderung der Kantenflucht des flüssigen Anstrichs durch Kohäsionskräfte, Kantenfasen sind nicht zulässig



V-Fuge von Sichtkante zu Sichtkante schleifen, V-Fugensiegel dichtet die offenen Hirnholzzone so ab, dass eine gleichmäßige Beschichtung erfolgen kann. (Fugenversiegelung nicht als Raupe auftragen)

Fachgerecht: mehr als „nur Farbe“

Grundlage der Sanierung ist das Festlegen aller erforderlichen Arbeitsschritte je nach Schadensbild. Mehrere Faktoren beeinflussen die Haltbarkeit eines Anstriches wie z.B. die Kantenrundung der Profile, die Spachtelung gerissener Holzverbindungen, Anschluss des Holzes an die Glasfugen, gründliches Anschleifen der vorhandenen Beschichtung oder der fachgerechte Schichtenaufbau eines neuen Anstriches. Nur eine umfassende Behebung aller Mängel garantiert den Erfolg einer dauerhaften Sanierung. Professionelle Beratung und die Auswahl geeigneter Materialien spart die Sanierung der Sanierung.