Freie Architektin und Bausachverständige Anne-Kathrin Gross
Sachverständige für Bautenschutz / Bausanierung ▪ Schäden an Gebäuden ▪ Holzschutz 
Fachplaner für Bauwerksinstandsetzung nach WTA ▪ Baumediatorin
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Blower door - Luftdichte Konstruktionen

Grundlagen Bauphysik

Die DIN 4108 Teil 7 „Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Luftdichtheit in Gebäuden“ fordert den Einbau einer luftundurchlässigen Schicht über die gesamte Fläche der Gebäudehülle. Dies bedeutet die Eigenschaft eines Baustoffs, eines Bauteils oder der Hülle eines Gebäudes nicht oder nur in geringem Maß mit Luft durchströmt zu werden.
Ziel ist eine optimale Wohnbehaglichkeit durch minimal eingesetzte Energie für den Bauherrn zu erreichen. Um dieses Ergebnis zu erreichen, muss das Gebäude eine geplante lückenlose, dichtende Ebene zwischen dem Innen- und Außenbereich aufweisen. Der Wärmedurchgang über Transmission durch zunehmende Dämmstärken ist zwar sehr gering, verliert aber seine Effizienz wenn ein großer Teil der zugeführten Energie durch Konvektion über Leckagen verloren geht.

Anforderung Luftdichtheit nach DIN 4108

„…Anforderungen an die Luftdichtheit sind in der jeweils aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt.
Sofern die EnEV keine Anforderungen stellt, darf bei Neubauten im Sinne der EnEV und bei Bestandsbauten, bei denen die komplette Gebäudehülle im Sinne der Luftdichtheit saniert wurde, die nach DIN EN 13829: 2001-02, Verfahren A, die gemessene Luftwechselrate bei 50 Pa Druckdifferenz, n50

  • bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlagen 3,0 h-1 und
  • bei Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen 1,5 h-1
nicht überschreiten.

Bei Gebäuden oder Gebäudeteilen mit einem Innenvolumen von mehr als 1.500 m3 wird zur Beurteilung der Gebäudehülle zusätzlich die Luftdurchlässigkeit q50 nach DIN EN 13829: 2001-02 herangezogen. Sie darf den Wert von 3,0m3 /(h · m2 ) nicht überschreiten…“

Ziel des Blower door Verfahrens

Das Blower door Verfahren ist ein Differenzialdruckverfahren zur Prüfung der Luftdichtigkeit eines Gebäudes durch die Bestimmung der Luftwechselrate. Leckagen in der Gebäudehülle können frühzeitig aufgespürt und noch während der Bauphase ohne größeren Aufwand vor dem Einbau einer Trockenbaubeplankung behoben werden.
Das Messziel ist eine Leckageortung im Rohbauzustand, mit Hilfe eines im Gebäude erzeugten Unterdruckes. An den Leckagestellen kann dann die Luftbewegung mittels Anemometer gemessen werden. Durch die Überprüfung der Luftdichtheit lässt sich Energie sparen und die Gefahr von Bauschäden und Herabsetzung der Dämmwirkung wird reduziert.

Messmethode

Durch einen Ventilator wird Luft in das zu untersuchende Gebäude gedrückt oder herausgesogen. Dieser drehzahlgeregelte Ventilator wird so eingestellt, dass zum Umgebungsdruck eine Druckdifferenz von 50 Pascal entsteht. Der Ventilator wird mit einem Metallrahmen, der von einer luftundurchlässigen Plane umgeben ist, in eine Tür- oder Fensteröffnung eingesetzt.

Messinstrumente bestimmen die zwei Druckdifferenzen:
  1. Druckdifferenz zwischen Außen- und Innenraum,
  2. Druck im Ventilator – und damit die Größe des Luftstroms, die der Ventilator transportiert.
Das Blower door Verfahren bietet die Möglichkeit:
  • Lage und Stärke der Undichtigkeiten zu bestimmen
  • Luftstrom (V50 in m³/h) durch die Summe aller Leckagen bei einem Prüfdruck von 50 Pa zu ermitteln
  • Daraus mit dem Raumvolumen die stündliche Luftwechselrate (V50 / V Raum = n50) bei 50 Pa zu berechnen
Die Messung erfolgt in 3 Phasen:
  • Ein konstanter Unterdruck wird erzeugt und aufrecht erhalten um Leckagen zu finden (evtl. auch zusätzlich mit Rauchspender oder Infrarotkamera zur Visualisierung des Strömungsverlaufs).
  • Ein Unterdruck wird aufgebaut und schrittweise auf einen Enddruck von 60-100 Pa erhöht (der Luftvolumenstrom wird schrittweise gemessen und protokolliert).
  • Ein Überdruck wird erzeugt und die Messungen analog zur Unterdruckmessung wiederholt.

Aus den gesamten Ergebnissen des Über- und Unterdruckes des Gebäudes wird die mittlere Luftwechselrate (n50-Wert) errechnet. Einzelleckagen können dabei mittels Anemometer festgestellt werden.
Für eine komplette Messung sind ca. 3 Stunden einzuplanen.

Kombination Blower door mit Thermografie

Die Thermografie ist ein bildgebendes Verfahren zur Anzeige der Oberflächentemperatur von Objekten. Die Kombination von Blower door und Infrarotthermografie ermöglicht die Visualisierung von Wärme- oder Kälteströmen. Im Unterschied zur punktuellen Messung mit dem Anemometer entstehen hierbei anschauliche Bilder, die die Grundlage der Behebung von Leckagestellen sein können.


Bauphysikalische Begriffe im FAQ
Blower door: Einbau in den Türrahmen
Anemometer zur Messung der Windgeschwindigkeit bei Unterdruck im Innenraum zur Leckagesuche
Anemometer zur Kontrolle der Klebestellen
Leckage der Dampfbremse: Kabel ohne Dichtung
Leckage Dampfbremse: mangelhafte Klebung
Leckage Dampfbremse: Tackerlöcher aufgeweitet
Fenster ohne luftdichten Anschluss (Thermografie + Blower door) Luftströmung ist sichtbar