Freie Architektin und Bausachverständige Anne-Kathrin Gross
Sachverständige für Bautenschutz / Bausanierung ▪ Schäden an Gebäuden ▪ Holzschutz 
Fachplaner für Bauwerksinstandsetzung nach WTA ▪ Baumediatorin
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Schimmelpilze

Allgemeines

Die heutigen Anforderungen an die Wärmedämmung und Luftdichtheit von Gebäuden und andere raumklimatische Verhältnisse können Ursachen von Feuchteanreicherungen auf Konstruktionen sein. Durch luftdichte Konstruktionen wie z.B. bei der Verwendung von nicht feuchteregulierenden Dampfsperren oder dichten Fensteranschlüssen ist die Wohnraumlüftung von großer Bedeutung. Schimmelpilze sind ubiquitär, d.h. sie sind immer vorhanden. Durch Feuchte auf Bauteiloberflächen kommt es zu vermehrtem Schimmelpilzwachstum, welches zu Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit führen kann.

Was sind Schimmelpilze?

  • Schimmelpilze bestehen aus tierischen Zellen und besitzen Zellwände aus Chitin, die vor Austrocknung schützen.
  • Wachstumsbedingungen bei einem Feuchtewert des Untergrundes von aw = 0,8 – 0,85. Alle sorptionsfähigen Materialien nehmen Feuchte auf und entwickeln eine sogenannte Ausgleichsfeuchte. Ein aw -Wert von 0,8 entspricht einer Ausgleichsfeuchte von 80%. Xerophile Schimmelpilze können auch auf trockeneren Substraten wachsen. Hierbei werden aw-Werte von 0,7 bereits als kritisch gesehen.

    Mesophile Schimmelpilze wachsen auf Substraten mit einer Wasseraktivität zwischen 0,85 und 0,90.

    Hydrophile Schimmelpilze sind zu finden auf Substraten mit einer hohen Wasseraktivität, die zwischen 0,9 bis 0,95 liegt.

  • Fortpflanzung mittels Sporen, die zum Teil sehr gut flugfähig sind und sich schnell vermehren. Die Sporengröße beträgt je nach Art 2-10 μm, selten ist sie größer. Die Feuchteverhältnisse wirken sich auf die Keimfähigkeit der Konidien, die Sporenbildung und das Myzelwachstum aus. Die Konidien von Aspergillus- und Penicillium-Arten können z.B. im trockenen Zustand jahrelang keimfähig bleiben.
  • Geben flüchtige Stoffwechselprodukte (MVOC) ab, die zu den charakteristischen Schimmelgerüchen in Innenräumen führen.

Schimmelpilze - Gesundheitsgefahr?

Die Schimmelpilze sondern als Stoffwechselprodukte Mykotoxine (Pilzgifte) ab. Diese können bei bestimmten gesundheitlichen Präpositionen hervorrufen:
  • Reizende und toxische Wirkung: Wirken sich am häufigsten als Entzündungsreaktion auf die Bindehäute, die Haut, Schleimhäute der Nase, der oberen Atemwege aus.
  • Allergien: Zu den Symptomen, die ausgelöst werden, zählen zum Beispiel Rhinitis (Symptome ähnlich Heuschnupfen) und Asthma.
  • Infektion: Nur bei stark immun geschwächten Menschen relevant.
In jedem Fall ist zu empfehlen, den Schimmelpilzbefall zu entfernen, da im Zusammenhang mit den Schimmelpilzen auch Bakterien entstehen können.

Schimmelpilze - eine Gefahr für Gebäude?

Schimmelpilze sind ubiquitär, das heißt, sie sind überall in der Umwelt vorhanden auch wenn sie nicht sichtbar sind. Sie können in verdeckten Konstruktionen wachsen wie z.B. hinter Sockelleisten oder in Gipskartonwänden. Sie verwerten eine Vielzahl von Nährstoffen durch ihren komplexen Stoffwechsel. Vorhandene Materialien werden durch ausgeschiedene Enzyme der Schimmelpilze angegriffen.

Holz:
Moderfäule, welche durch Enzyme (Oxidasen) hervorgerufen wird, greift die Struktur des Holzes an, da sie den Holzstoff Lignin spaltet. Diese Moderfäule wird hervorgerufen z.B. durch Aureobasidium pullulans, Trichoderma viride, Stachybotrys chartarum.

Farben, Anstriche:
Durch Enzyme werden die Tenside, Weichmacher oder Verdichtungsmittel, welche in den Farben zur gleichmäßigen Verteilung der Farbpigmente enthalten sind, abgebaut. Die eigentlichen Farbstoffe werden meist nicht verwertet, der Abbau erfolgt z.B. durch Aureobasidium pullulans, Cladosporium herbarum, Penicillium expansum, Eurotium herbariorum.

Gipsbaustoffe:
Bei ausreichender Feuchtigkeit kann das zellulosehaltige Verbundmaterial von Gipsplatten als Nährstoff verwertet werden, z.B. Penicillium chrysogenum, Stachybotrys chartarum.

Kunststoffe:
Auch hier können die Weichmacher in verschiedenen Kunststoffen wie PVC, PP, PE, PS verwertet werden, was die Kunststoffe letztlich brüchig und oft unbrauchbar macht, hervorgerufen z.B. durch Aureobasidium pullulans, Curvularia sp., Alternaria sp..

Schimmelpilze stellen durch Ihre Stoffwechselprodukte eine Geruchsbelästigung dar und können Baumaterialien und Möbel unbrauchbar machen.

Ursachen von Schimmelpilzbefall

Die wesentlichen Ursachen für Schimmelpilzwachstum liegen zum einen in der Nutzung von Räumen und dem damit verbundenen Feuchtehaushalt, dem Heizen und Lüften und zum anderen in baulichen Mängeln und Schwachstellen. Beides ist oft nicht voneinander zu trennen, was die Auseinandersetzung der betroffenen Parteien wie z.B. Mieter und Vermieter so schwierig gestaltet. Deshalb ist es ratsam, die vorhandene Situation von einer Fachkraft beurteilen zu lassen, um mit einem gemeinsamen Handeln gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

1. Baukonstruktion:
  • Unzureichender Wärmeschutz
  • Konstruktive Wärmebrücken wie auskragende Decken, Material von Unterzügen, Fensterstürze
  • Geometrische Wärmebrücken wie Außenwandecken
  • Tauwasseranfall in Konstruktionen durch fehlende Luftdichtheit von innen (Dampfsperre)
  • Fehlende Abdichtung im erdberührten Bereich, Spritzwasserbereich, keine Berücksichtigung der Lastfälle
  • Mangelnder Schlagregenschutz: zu geringe Dachüberstände, ungeeigneter Putz
  • Fehlende Lüftungsmöglichkeiten
  • Rohrleckagen, Dachleckagen
2. Nutzerverhalten
  • Erhöhte Feuchteproduktion (Wäsche, Aquarien, Pflanzen)
  • Nicht ausreichende oder falsche Lüftung
  • Nicht ausreichende oder ungleichmäßige Beheizung der Innenräume
  • Mangelnde Luftzirkulation durch Möbel an den Außenwänden
  • Unzureichende Lüftung bei Restbaufeuchte
  • “Mitheizen” von Räumen

Schadensbilder
Hohe Luftfeuchte schlägt sich am Fensterglas nieder
Schimmel auf einer Wärmebrücke
Schimmel auf Außenwand im Dachraum und Holzpilze (Leckage Dampfsperre in der Trockenbaudecke)

Untersuchung der Wärmebrücken:
Schimmel in Fensterleibung: Einbaumangel in der Fensteranschlussfuge,Taupunktmessung Thermohygrometer
Messung der Oberflächentemperaturen mit Infrarot

Untersuchung der Schimmelpilzarten:
Anzüchten von Schimmelpilzen aus einer Luftprobe
Untersuchung der Raumluft im Luftkeimsammler