Freie Architektin und Bausachverständige Anne-Kathrin Gross
Sachverständige für Bautenschutz / Bausanierung ▪ Schäden an Gebäuden ▪ Holzschutz 
Fachplaner für Bauwerksinstandsetzung nach WTA ▪ Baumediatorin
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Holzschäden

Bedeutung des Holzschutzes für Gebäude

Holz ist seit Jahrhunderten einer der wichtigsten Baustoffe beispielsweise für Dächer und Decken in Gebäuden. Der mit der Holzschädigung verbundene Festigkeitsverlust ist der für das Bauholz kritischste Einfluss, da er bis zum Versagen der Tragkonstruktion führen kann. Durch verdeckten Einbau der Hölzer werden diese Schäden oft erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt. Holzschutz beinhaltet alle Maßnahmen, die eine Schädigung oder Zerstörung von Holz durch Witterungseinflüsse, Pilze oder Insekten verhindern und die Gebrauchsfähigkeit sichern.

Holzschädigende Einflüsse

  • Klimaeinflüsse wie Feuchte und Temperaturschwankungen führen zum Quellen und Schwinden von Holz, Rissbildungen können entstehen.
  • Chemische Einwirkungen zerstören die Holzstruktur beginnend von den Randzonen des Holzes und führen zu Auffasern/Auflösung der oberflächennahen Holzsubstanz (Mazeration).
  • Biologische Einflüsse bewirkt durch Pilze, Bakterien und Insekten führen zur Veränderung der Holzsubstanz. Dabei werden Bestandteile des Holzes durch Stoffwechselprozesse abgebaut und das Holz verliert seine Festigkeit. Schädigungen entstehen bei frischem und trockenem Holz.
  • Thermische Einflüsse (Brand oder Thermobehandlung) führen zu Veränderung der Holzstruktur, die einen Festigkeitsverlust aber auch eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen Pilze und Insekten hervorrufen kann (Thermoholz).

Holzschädigende Pilze

Übersicht über holzschädigende Pilze

Holzschädigende Insekten

Übersicht über holzschädigende Insekten

Vorbeugende Maßnahmen

Dauerhaftigkeitsklassen

Die Holzarten werden verschiedenen Dauerhaftigkeitsklassen zugeordnet (DIN EN 350-2). Die Dauerhaftigkeit des Bauholzes ist nach verschiedenen Gruppen von Holzschädlingen zu wählen z.B. Insekten, Pilze.


Dauerhaftigkeit von Holz (Resistenz)

Die Dauerhaftigkeit ist die eigene Widerstandsfähigkeit des Holzes gegen einen Angriff durch holzzerstörende Organismen wie z.B. Insekten und Pilze. Die Dauerhaftigkeit von Holz wird in der DIN EN 350-2 klassifiziert. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Einordnung von Hölzern nach DIN EN 350-2 gegenüber holzzerstörenden Pilzen:


Dauerhaftigkeitsklasse BeschreibungBeispiele Holzarten
1sehr dauerhaftTeak; Azobé (1-2), Robinie (1-2)
2dauerhaft Edelkastanie, Stiel- und Traubeneiche, Bangkirai
3mäßig dauerhaftLärche (3-4), Kiefer (3-4), Douglasie (3-4), Oregon Pinie
4wenig dauerhaftFichte
5nicht dauerhaftEsche, Rosskastanie, Rotbuche

Gebrauchsklassen

Die Beanspruchung des Holzes ist nach Einbausituation und Einstufung in Gebrauchsklassen nach DIN 68800-1 einzuschätzen und entsprechende chemische Maßnahmen auszuwählen.

Imprägnierungen

Die Zuordnung zu den Dauerhaftigkeitsklassen erfolgt getrennt nach Kern- und Splintbereich des Holzes. Der Splintbereich ist in der Regel gut zu imprägnieren und verlängert die Dauerhaftigkeit. Für die Holzimprägnierung gibt es folgende Verfahren:

  • Drucklose Verfahren:
    Streichen und Spritzen, Trogtränkung, Tauchen, Osmoseverfahren, Saftverdrängungsverfahren
  • Druckverfahren z.B. Kesseldruckimprägnierung im Wechseldruckverfahren, Volltränk– oder Spartränkverfahren u.a.
  • Perforierung
Physikalischer Schutz

Sind Schutzschichten vor Witterung, UV-Strahlen oder mechanische Belastungen.

Chemischer Holzschutz

Erfolgt durch Biozidprodukte zur Bekämpfung oder Zerstörung von Schadorganismen. Der gewerbliche Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel erfordert den „Sachkundenachweis Holzschutz am Bau“.

Thermische Verfahren

Hierzu zählen z.B. das Heißluftverfahren für größere Bereiche und das Mikrowellenverfahren bei lokalem Befall zur Bekämpfung tierischer Holzzerstörer.


Konstruktiver Holzschutz

Feuchteschutz Tauwasser

Insbesondere bei Dachkonstruktionen aus Holz ist der Feuchteschutz sehr wichtig. Liegt die Dämmebene zwischen den Dachbalken, ist eine Dampfsperre erforderlich. Diese verhindert ein Eindringen feuchter, warmer Raumluft in die Dämmung und einen Tauwasseranfall im Übergangsbereich von warmen zu kalten Temperaturen. Der luftdichte Anschluss an angrenzende Konstruktionen und die Vermeidung von Leckagen der Dampfsperre ist die Grundlage der Funktionstauglichkeit.

Feuchteschutz vor Witterung

Der Feuchteschutz des Holzes kann durch verschiedene Maßnahmen erfolgen:

  • Beschichtungen von Holz durch Anstriche
  • Holzschutz im Spritzwasserbereich durch Einhaltung der Mindesthöhe über Gelände
  • Holzkonstruktionen ohne "nasse Fugen"
  • keine nassen Kontaktflächen zu anderen Konstruktionen und ausreichende Belüftung
  • geeignete Konstruktionen, die ein Wasserablaufen ermöglichen (z.B. Mindestneigungen)
  • konstruktive Abdeckungen auf Holzkonstruktionen z.B. aus Zinkblech
Zerstörung Dielen und Balken durch Pilze
Moderfäule: Zerstörung Dachbalken durch undichte Dampfsperre eines Flachdaches
Echter Hausschwamm durch undichten Balkon auf Holzbalkendecke
Fruchtkörper des Echten Hausschwamms
Mycel des Echten Hausschwamms durchwächst das Mauerwerk
Mycel Brauner Kellerschwamm
Holzschädigung durch Insekten: Hausbock